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Jesus am See Tiberias, Joh. 21, 1-14, 23.4.2017

Predigt mit Johannes 21,1-14
Text der Reihe III am Sonntag Quasimodogeniti

gepredigt in Niederhofen und Stetten a.H. am 23.4.2017

 

Liebe Gemeinde,

 

welch eine schöne Morgenstimmung am See Genezareth. Ich stehe an einer kleinen Bucht. Die Sonne geht gerade auf, ich stelle mir ein wenig Dunst über dem Wasser vor. Da kommt ein einsames Fischerboot Richtung Land. Ruhig gleitet es dahin, die rauen Kerle auf dem Boot sind ganz ergriffen von der Morgenstimmung. Vielleicht summen sie irgendein Morgenlied – schön. Einfach schön. So stelle ich mir den Rahmen unserer Geschichte heute Morgen vor. Einfach nur schön.

Aber war das wirklich so? War das wirklich schön dieser Morgen am See? Klar, wenn ich so frage, dann steckt was dahinter. Dann will ich auf etwas hinaus, dann steckt irgendwo der Hase im Pfeffer oder ist irgendwie eine verborgene Dramatik zu finden.

Aber nein, es war ein schöner Morgen und er ist es auch geblieben bis am Schluss unserer Geschichte, als Jesus mit seinen Jüngern frühstückte. Andererseits gibt es doch eine gewisse Dramatik auch in dieser Geschichte mit ihrer schönen Atmosphäre. Und die möchte ich mit ihnen entdecken.

 

1.      Alles schon mal da gewesen.

„Wir haben gefischt, wir haben gefischt, wir haben die ganze Nacht gefischt und keinen Fisch erwischt.“ Das ist ein Fingerspiel für kleine Kinder, in dem ein Kind als Fischer mit seiner Hand die Hand eines anderen Kindes fangen will.

Das ist aber auch eine Erfahrung, die machen die Jünger nicht zum ersten Mal. Schon bei der Berufung der ersten Jünger am See Genezareth, da kommen Petrus und Andreas und Johannes und Jakobus die Söhne von Zebedäus vom Fischen und haben auch nichts gefangen. Jesus sagte ihnen wo sie ihre Netze auswerfen sollten. Und tatsächlich haben sie was gefangen. So viel, dass ihr Boot unterzugehen drohte.

Was soll das?

Brot und Fische erinnern ebenfalls an eine andere Geschichte, die die Jünger schon mal erlebt hatten. Da war ein Junge, der hatte 5 Brote und zwei Fische. Das war sein Vesper gewesen, das er dabeihatte als er mit anderen auf Jesu Worte hörte. Damals waren das 5000 Leute gewesen. Und sie hatten alle Hunger gehabt. Und nur der Junge hatte Vesper dabei. Aber Jesus machte alle satt mit 5 Broten und zwei Fischen. Hier in unserer Geschichte waren es nur 7 Jünger. Aber sie sind von den Broten und vom Fisch, den Jesus ihnen gegeben hat, satt geworden.

Alles schon mal da gewesen zum Dritten: Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Alles schon mal da gewesen. Und doch: Es lohnt sich für Jesus und die Jünger, diese Erfahrungen, die sie schon kannten noch einmal zu machen. Doppelt genäht hält besser, sagen auch wir. Und wer gerade aufs Abi lernt, weiß: Ich kann alles nicht schon beim ersten Mal, ich muss wiederholen und üben, damit etwas bleibt und ich es wieder abrufen kann, wenn ich gefragt werde. So lernen auch die Kinder von Anfang an: Durch Wiederholen, durch Versuchen, auch durch Scheitern und wieder neu probieren. Beim Laufen lernen, werden sie hinfallen, aber sie stehen wieder auf und lernen weiter.

Die Jünger gehen bei Jesus in die Lehre und lernen, auf ihn zu vertrauen, mit ihm zu leben. Sie lernen ihn kennen und mit ihm kennen sie Gott, den Vater. Sie lernen und wissen, auf wen sie sich verlassen können. Gerade hier in unserer Geschichte geht es nicht um irgendwelche nebensächlichen Erfahrungen, sondern um die wesentlichen Erfahrungen unseres Lebens: Es geht um das Essen, das lebensnotwendig ist, also um unsere leiblichen Bedürfnisse, und es geht um die Auferstehung Jesu, also unsere geistlichen Bedürfnisse. Jesus lebt. Davon leben wir als Christinnen und Christen. Jesus lebt, das ist das Siegel auf sein Wirken vorher und seinen Tod am Kreuz. Jesus lebt, damit wird bestätigt: Er ist der Sohn Gottes, er hat alle Macht im Himmel und auf Erden. Jesus lebt mit ihm auch ich. Und das kann man nicht oft genug erleben. Da ist dreimal noch zu wenig. Jesus lebt. Ohne diese Botschaft bräuchten wir keine Kinder zu taufen, dann wäre unser Glaube tot. So aber befehlen wir die Kinder, die wir taufen, einem lebendigen Herrn an, der sie versorgen kann und ihnen die Fülle des Lebens schenken will. Wir befehlen sie einem Herrn an, der weiß, wie es ihnen geht. Wir befehlen sie einem Herrn an, der hilft, die Not zu stillen, der ihnen und ihnen als Eltern Geborgenheit schenkt, dem sie vertrauen und auf den sie sich verlassen können. Das ist Jesus.

Alles schon mal da gewesen. Und das ist gut so.

 

Eine zweite Dramatik in unserer Geschichte:

2.      Jesus, der auferstandene Herr, hat seinen Jüngern verziehen

Jesu Tod ist noch nicht sehr lange her. Als Jesus im Garten Gethsemane betete, als er gefangen wurde, als er verhört wurde, als er verurteilt wurde und als er am Kreuz hing, wo waren seine Jünger da? Sie haben ihn im Stich gelassen. Petrus hat ihn sogar verleugnet: Ich kenne ihn nicht. Dreimal hatte er das gesagt: Doppelt genäht hält besser, sagen wir. Und dreimal dasselbe gesagt, das hat Gewicht. Auch im Negativen. Sie haben Jesus im Stich gelassen. Jesus aber lässt seine Jünger nicht im Stich. Er sorgt sich um die Grundbedürfnisse des Lebens, um Essen und Trinken. Er isst wieder mit ihnen. Wieder – das letzte Mal als sie miteinander gegessen hatten, das war das Abendmahl gewesen, das sie miteinander gefeiert hatten. Das Brot ist mein Leib für euch gegeben. Das Abendmahl war eine Stärkung für die Nacht der Gefangennahme Jesu, aber eben auch für die Nacht ihres Scheiterns und Versagens. Das Abendmahl war ein Mahl für die Nacht ihrer Schuld und Sünde. Jetzt essen sie wieder Brot. Jetzt ist es Morgen. Jetzt wissen sie: Es ist der Herr und er lädt sie erneut ein zum Essen. In dieser ganzen Geschichte heute Morgen ist es Jesus, der die Initiative übernimmt. Außer dem Entschluss, fischen zu gehen, unternehmen die Jünger kaum etwas aus eigenem Antrieb. Jesus sorgt für einen guten Fang. Jesus lädt sie ein zu Tisch. Er hat schon ein Feuer und Brote gerichtet. Er ist der Handelnde. Und in seinem Handeln wird deutlich, dass er ihnen verzeihen hat, allen, die an ihm schuldig geworden sind.

Wir haben einen gnädigen Gott. Daran erinnert uns in diesem Jahr das 500jährige Jubiläum der Reformation. Das war die Entdeckung Martin Luthers für sich und sein Leben und für die Lehre in der Kirche. Wir haben einen gnädigen Gott, der von sich aus auf uns Menschen zu geht und uns seine Gnade schenken will. Hier sehen wir, wie das den Jüngern gegenüber geschieht. Kinder habt ihr nichts zu essen. Kommt und haltet das Mahl. Das ist Gnade, aus der heraus Jesus handelt. Das ist die Liebe des himmlischen Vaters zu seinen Menschen, die sich in Jesus, dem Auferstandenen spiegelt.

Dieser Ausdruck „Kinder“ kann in der Sprache damals eine gewöhnliche Anrede sein, die den anderen als Gegenüber nicht klein machen will, sondern Vertraulichkeit ausdrückt. Sie hat aber für uns natürlich noch ein anderes Echo: Das Echo der Taufe. Jesus nimmt uns in der Taufe an als seine Kinder. So erklärt uns das Johannes Brenz im Katechismus und ich zitiere das immer wieder gern:

Die Taufe ist ein Sakrament und göttlich Wortzeichen, womit Gott, der Vater, durch Jesus Christus, seinen Sohn, samt dem Heiligen Geist bezeugt, dass er dem Getauften ein gnädiger Gott wolle sein und verzeihe ihm alle Sünden aus lauter Gnade um Jesu Christi willen und nehme ihn auf an Kindes Statt und zum Erben aller himmlischen Güter.

 

Und das dritte, was hier unserer Geschichte eine gewisse Dramatik schenkt:

3.      In seinem Handeln wird Jesus erkennbar

Jesus stand am Ufer und die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Bis der eine Jünger zu Petrus sagte: Es ist der Herr. Und dann haben es auch die anderen erkannt und erlebt. Es war diese erneute Begegnung, es war diese wiederholte Erfahrung, es war der Herr, der auf die Jünger zugeht, ohne dass sie nichts erkannt und verstanden hätten. Und der eine, dem als erster die Schuppen von den Augen fielen, der sagte es weiter und die anderen erkannten Jesus auch.

Warum haben sie ihn nicht gleich erkannt? Sie waren ca. 100m vom Ufer und damit von Jesus weg. Und sie haben nicht ständig mit irgendwelchen Wundern gerechnet. Es war morgens und sie waren müde und hungrig. Und Jesus war als Auferstandener auch etwas verändert zu vorher. Klar, dass sie ihn nicht gleich erkannten.

Aber so geht es uns ja auch. Das wir nicht immer gleich erkennen, wann wie und wo Jesus uns hilft und uns begegnet. Sicher haben wir es noch schwerer als die Jünger in dieser Geschichte, weil uns Jesus nicht leibhaftig begegnet, sondern immer nur unsichtbar. Und doch: Wenn es darum geht, wie unsere Kinder zum Glauben kommen können oder wie wir zum Glauben finden, dann nur so: Indem wir die Erfahrung machen, dass Jesus uns anspricht, dass Jesus uns hilft und uns dann jemand zeigt: Es ist der Herr. Denken sie an die kleinen Kinder und die Taufe. Wie Wir als Eltern, Paten und als Gemeinde haben den Auftrag, ihnen von Jesus zu erzählen, den Weg zu bahnen, dass Jesus sie ansprechen kann. Und dann hören sie von uns: Es ist der Herr. Und sie erkennen das für sich dann auch. Jesus wird erfahrbar, Jesus wird erkennbar, aber es braucht den anderen an meiner Seite, der mir sagt: Es ist der Herr. Und dann brauchen sie ihn nicht mehr fragen „Wer bist du“, dann wissen sie es.

Es ist wirklich ein schöner Morgen am See von Tiberias gewesen, ein wunderschöner Morgen. Nicht nur wegen seiner Morgenstimmung, sondern vor allem wegen dieser Begegnung mit Jesus. Für die Jünger beginnt mit diesem Morgen ein neuer Tag, der Tag der Ewigkeit mit ihrem lebendigen auferstandenen Herrn. Dass es so Tag werde auch für uns, das wünsche ich uns allen.

Jetzt habe ich immer wieder von der Taufe erzählt und von kleinen Kindern. Zum einen lag das daran, dass ich in Niederhofen eben zwei Taufen hatte. Zum anderen aber ist ja heute der Sonntag Quasimodogeniti. Und dieser Sonntag ist Taufsonntag, weißer Sonntag von den Taufkleidern her der Täuflinge. Deshalb ist dieser Text auch Predigttext für den heutigen Sonntag. In ihm können wir die Erfahrungen der Taufe wiederfinden. Diese Geschichte ist Tauferinnerung für alle, die getauft sind. So nimmt uns Jesus an, so ist er zu finden und zu erkennen. Wer noch nicht getauft ist, darf sich hier eingeladen wissen: Dieser auferstandene Herr will so auch mit dir leben. Und du kannst ihm in der Taufe dein Leben anbefehlen, er macht dich dann zu seinem Kind. Gibt es etwas Schöneres, als damit dann den Morgen und den neuen Tag eines neuen Lebens zu erleben? Amen.

 

Pfarrer Martin Bulmann, Evang. Pfarramt Stetten a.H. - Niederhofen