Predigt zu Philippus und Jakobus

 

Predigt mit Johannes 14,1-13

 

Text der Reihe I am Gedenktag der Apostel Philippus und Jakobus

gepredigt in Stetten a.H. am 3.5.2015

 

Liebe Gemeinde,

 

den Predigttext für den heutigen Sonntag Kantate haben Sie eben schon als Schriftlesung gehört. Mit dem predige ich heute nicht.

Das liegt daran, dass in meinem Pfarrerkalender aus dem Evangelischen Gottesdienstbuch der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Deutschland ein Gedenktag eingetragen ist, zu dem auch ein Predigttext gehört.

Ich gebe zu ich gebe auf solche Gedenktage wenig. Sie sind uns ja eigentlich nicht so geläufig. Manche spielen in der Landwirtschaft eine Rolle spielen. Peter und Paul zum Beispiel, der 29. Juni. Da heißt es

·  Regnet's an Peter und Paul, wird des Winzers Ernte faul.

·  Peter und Paul hell und klar, bringen ein recht gutes Jahr.

Oder der Gedenktag an Johannes den Täufer am 24 Juni, der in den Bauernregeln Niederschlag findet: „Vor dem Johannistag man Gerst und Hafer nicht loben mag.“

 

Der dritte Mai ist kein bekannter Gedenktag. Aber er ist sogar dem Gedenken zweier Apostel Jesu gewidmet. Der eine ist Jakobus. Aber nicht der bekannte Jakobus, der Bruder des Johannes, beides Söhne des Fischers Zebedäus vom See Genezareth. Das ist Jakobus der Große oder der bekannte, nach dem auch der Jakobsweg benannt ist.

Es gab noch einen zweiten Jakobus unter den Aposteln, der wurde Jakobus der jüngere oder der kleine genannt. Sein Vater hieß Alphäus.

 

Der 3. Mai ist auch der Gedenktag des Apostels Philippus. Philippus ist schon etwas bekannter. Neben Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes wird er an fünfter Stelle in den Jüngerlisten genannt.

Heute am dritten Mai ist also der Gedenktag der beiden Apostel Jakobus des Jüngeren und Philippus. Drehen wir es herum, dann wissen Sie, warum ich heute mit ihnen über diesen Gedenktag und über einen Predigttext zu diesem Tag nachdenken möchte: Philippus und Jakobus sind die Namensgeber unserer Kirche, der Philippus und Jakobuskirche hier in Stetten.

 

1478 ist die Kirche, wie sie damals hier stand, den beiden Aposteln geweiht worden. Ich weiß nicht warum, es waren eh wilde Zeiten, die Herrschaft über Stetten wechselte und die Einkünfte aus dem Kirchengut in Stetten fielen mal dem Hause Württemberg zu, dann dienten sie der Universität Tübingen, dann wurden sie an das Stift Wimpfen im Tal verpfändet. Manche Heilige waren in bestimmten Zeiten in Mode, andere waren Schutzpatrone besonderer Gegenden oder besonderer Gruppen. Philippus und Jakobus sind beide gemeinsam Patrone der Hutmacher, Krämer, Walker, Pastetenbäcker, Gerber und Konditoren. Vielleicht gab es in Stetten zu der Zeit viele Gerber oder andere Handwerker, die die Kirche eben so nennen wollten nach ihren Schutzpatronen. Eine Modeerscheinung war es wohl nicht, denn es gibt nur 18 Philippus und Jakobus Kirchen in Deutschland, die 19. war die Mannheimer Garnisonskirche, die schon im 18. Jahrhundert wieder abgerissen wurde. Nach dem, was Wikipedia weiß, ist unsere Philippus und Jakobuskirche die einzige in der Württembergischen Landeskirche.

 

Schauen wir in die Bibel hinein, dann findet sich zumindest bei Jakobus keine Begründung, warum er wohl zum Patron gemacht wurde. Das ist recht einfach festzustellen: Wir haben keine Geschichte, in der Jakobus irgend eine Rolle spielt.

Jakobus der Jüngere wird zwar in den Listen der Jünger Jesu mit den Beinamen "des Alphäus Sohn" oder "der Kleine", sonst aber nicht erwähnt. Immerhin nennt Mk 15, 40 seine Mutter als eine der Nachfolgerinnen Jesu. Sie, Maria, stand mit unter dem Kreuz des Herrn.

Er war ein stiller Jünger. Und doch hat er wie die anderen Jünger den Auftrag Jesu erhalten: Gehet hin in alle Welt. An der Gestalt des Jakobus, der still seinen Dienst am Herrn versehen haben mag, erkennen wir, wie verschieden dieser Dienst ist. Gerade im Gegenüber zu dem ungestümen Philippus wird deutlich, dass ein Verkündiger auch ohne herausragenden Enthusiasmus dem Herrn nachfolgen kann. Es kommt nicht immer darauf an, vorne dran zu stehen oder das große Wort zu haben.

 

Von Philippus wissen wir mehr. Philippus wurde vom Herrn mit den Worten "Folge mir nach!" (Joh 1, 43) berufen. Er stammt aus Bethsaida, der Stadt des Andreas und Petrus. Er hat den Nathanael Jesus zugeführt, und dabei erkennen wir eine ungestüme, fröhliche Art, für den Herrn zu werben. Ähnlich ist es, wenn wir erleben, wie er dem Kämmerer aus Äthiopien begegnet und ihm die Schrift aufschließt (Apg 8, 25-40). Vermutlich hatte er eine enge Verbindung zu Andreas, dem Bruder des Petrus.

Und dann kommt Philippus im Text für diesen Gedenktag vor, Johannes 14,1-13. Ich lese.

 

Ich habe diesen Text nicht nur ausgewählt, weil er der Text des Gedenktages ist, sondern auch, weil er wunderbar zu unserer Zeit auf dem Weg von Ostern hin zu Himmelfahrt und Pfingsten passt.

Aber zunächst möchte ich einen Blick auf die Jünger werfen. Sie sitzen mit Jesus zusammen im Abendmahlssaal. Nach dem Johannesevangelium hatte Jesus ihnen die Füße gewaschen. Jetzt, beim Abendessen, gibt Jesus ihnen wichtige Worte und Gedanken auf den Weg. Es sind Jesu Abschiedsreden. Sein Tod steht bevor. Seine Worte wollen seine Jünger stärken und ihnen Mut machen für die Zeit, wenn er nicht mehr da ist. „Ich gehe hin euch die Stätte zu bereiten“, sagt er. Ich gehe weg. Damit meint er zunächst seinen Tod am Kreuz, dann aber auch die Himmelfahrt. Das Kreuz beendet seine irdische Wirksamkeit, seine Predigt, seine Wunder, seine Hilfe für die Menschen. Nach Ostern bis Himmelfahrt ist er nur noch sporadisch mit seinen Jüngern zusammen. Vor allem macht er sich dann endgültig aus dem Staub dieser Welt.

Alle Jünger sind dabei und hören ihm zu. Auch Jakobus der Kleine. Auch Philippus. Zunächst meldet sich Thomas. „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst, wie können wir den weg wissen?“ Gut, dass er sich meldet. Er ist ja später auch der, der die Frage nach der Auferstehung stellt: „Wenn ich nicht seine Wundmale sehe, dann kann ich nicht glauben, dass er lebt.“ Toll, dass es einen gibt, der solche Fragen äußert und die Zweifel auf den Tisch bringt, die auch wir mit uns herumtragen. Toll, dass sich Jesus so unterschiedliche Typen als seine Jünger ausgesucht hat. Jesus kann jeden brauchen. Den stillen Jakobus, den zweifelnden und fragenden Thomas und den forschen Philippus.

 

„Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns.“ So steigt Philippus in das Gespräch ein. Es geht um Gott, den Jesus hier „den Vater“ nennt, seinen Vater, den himmlischen Vater der Jünger und unseren Vater.

Es ist mutig in der Schar der Jünger zu zeigen, dass man etwas nicht ganz versteht. Es ist forsch, hier in das Gespräch mit solch einer Bitte einzusteigen. Nach den Worten Jesu müssten die Jünger wissen, wer und wie Gott der Vater ist: Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus bittet demnach unnötigerweise „Zeige uns den Vater“.

So reagiert auch Jesus auf diese Bitte des Philippus: Solange bin ich schon unter euch und du kennst mich nicht, Philippus? Man könnte diesen Satz auch so übersetzen: Solange bin ich bei euch und du weißt immer noch nicht über mich Bescheid? Was müsste er denn schon längst wissen? Wer mich sieht, sieht den Vater, sagt Jesus, ich und der Vater sind eins. Und dann kommt eine der bedeutendsten Stellen im Neuen Testament über die Person Jesu, in der Jesus erklärt, wie er das versteht, wie er seine Aufgabe sieht und was wir bei Jesus lernen können.

Die Worte, die Jesus sagt, sind Worte, die er nicht von sich selbst aus redet, sondern von Gott aus. Die Werke, die er tut, tut der Vater. Der Vater wohnt in ihm, so eng sind die beiden miteinander verbunden. Jesus und Gott, der Vater sind eins.

Und das hätte Philippus in den knapp drei Jahren, in denen er mit Jesus unterwegs ist, eigentlich wissen müssen. Wie lange dauert es aber auch bei uns manchmal, bis wir das wirklich erkennen, bis wir das für uns klar haben und dann wirklich auch glauben? Religionsunterricht in der Schule, Jungschar, Kinderkirche, Kinderbibeltage, Konfirmandenunterricht, Jugendkreis – manchmal dauert es Jahre bis aus Spaß an der kirchlichen Jugendarbeit wirklich auch Glaube wird. Jesus macht dem Philippus und den anderen Jüngern, denen es sicher nicht anders geht, keinen Vorwurf, nein, er ruft sie zum Glauben: Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir.

Diese Einladung gilt auch uns. Diese Einladung zum Glauben und diese Einladung zum Erkennen. Uns, gerade jetzt. Wir haben in der Passionszeit Jesu Tod am Kreuz bedacht. Wir kommen von Ostern her und der Freude über Jesu Auferstehung. Beim Abendmahl als Jesus mit Philippus und Jakobus und den anderen Sprach wussten die natürlich noch nichts von all dem. Und doch gelten diese Worte Jesu ganz besonders auch für diese Ereignisse: Wer mich sieht, sieht den Vater, sieht Gott. Wer ihn sieht. Wer ihn sieht, wie er sich auspeitschen ließ, wie er verurteilt wurde, wie er hingerichtet wurde, wie er am Kreuz starb und dann im Grab lag. Wie er den Tod erlitt, um dann den Tod zu besiegen. Das ist das Gesicht Gottes voll Gnade und Wahrheit, voll Liebe und Barmherzigkeit. Das ist unser Gott.

 

Und dann kommt der Clou dieser Abschiedsreden. Sie sind kein Rückblick auf die vergangene Zeit Jesu mit seinen Jüngern. Sie sind ein Ausblick auf die kommende Zeit, in der Jesus nicht bei den Jüngern ist, sondern beim Vater: Ich gehe zum Vater, sagt er. Und die Jünger sind dann auf sich gestellt. Und auf ihren Gauben an ihn:

Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn.

Wenn das für die Zeit der Jünger gilt, wenn Jesus weg ist, dann gilt das auch für uns. Denn das ist ja unsere Situation genauso wie die der Apostel Jesu. Jesus ist bei deinem Vater. Und wir sind hier in dieser Welt. Er hat uns berufen und gerufen in den Dienst für ihn. Wir sind Leute wie Philippus, die voran gehen, die forsch und mutig sind. Und wir sind Leute wie Jakobus, der Sohn des Alphäus, die still und unscheinbar sind. Aber wir alle stehen im Dienst für Jesus, mit uns will er seine Gemeinde, seine Kirche, sein Reich bauen. Mit uns will er seine Geschichte schreiben.

Mit Leuten wie uns hat er sie schon geschrieben hier in Stetten seit über tausend Jahren, seit hier eine Kirche steht. Und seit 540 Jahren, seitdem unsere Kirche Philippus und Jakobuskirche heißt und uns an so unterschiedliche Jünger erinnern will wie Jakobus und Philippus, die unterwegs waren, wie wir unterwegs sind. Amen.