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Predigt am Fest Christi Himmelfahrt 2015

Predigt mit Lukas 24,50-53

Text der Reihe I an Christi Himmelfahrt

gepredigt in Stetten a.H. am 14. Mai 2015

 

Liebe Gemeinde hier draußen an der Kelter,

 

in der Kürze liegt die Würze. So scheint sich das der Evangelist Lukas gedacht zu haben, als er am Ende seines Evangeliums die Himnmelfahrtsgeschichte erzählt. Für ihn ist das nicht weiter schlimm, denn er schreibt ja noch die Apostelgeschichte und die beginnt mit einer ausführlicheren Schilderung der Himmelfahrt Jesu und ihrer Umstände. Die Kinder in der Kinderkirche hören diese Version der Himmelfahrtsgeschichte des Lukas.

Wir hören auf diese kurze Geschichte. Und? Schmecken sie die Würze der Kürze?

 

Wir hören, was Jesus tat, was mit ihm geschieht und was die Jünger tun, ohne Ausschmückungen, ohne Erklärungen, ohne gesprochenes Wort. Das hat was.

 

Das hat was von Abschied. Zumindest schreibt ein Ausleger: "Hauch von Abschied liegt über diesen Zeilen." Doch er schreibt weiter: "Aber noch stärker als der Hauch des Abschieds ist der Atem der Spannung. Was wird durch diesen Jesus alles noch passieren? Welche Geschichte werden wir haben, wenn er im Himmel regiert?"

Diese Himmelfahrtsgeschichte des Lukas hält sich nicht lange auf bei dem, was war oder was ist. In ihrer Kürze weckt sie die Spannung auf das, was kommt.

 

Jesus führt seine Jünger hinuas aus Jerusalem und segnet sie. Das ist das einzige, was er hier aktiv tut. Er gibt ihnen seinen Abschiedssegen, wie ihn viele Menschen in der Bibel ihren Nachkommen geben oder wie sie ihre Lieben beim Abschied segnen. Solch ein Segen ist auch der Segen am Ende eines Gottesdienstes, egal ob heutzutage oder zu biblischen Zeiten. Jesus schlüpft in die Rolle des Hohenpriesters und segnet seine Jünger am Ende seines und ihres Gottesdienstes, den sie über drei Jahre miteinander gefeiert haben. Jesus hat ihnen Gottes Wort verkündigt. Sie waren zusammen gewesen, haben miteinander Gott gelobt. Sie haben zum Schluss Abendmahl miteinander gefeiert, die Abkündigungen sind gesprochen, jetzt der Segen und dann geht es in den Alltag zurück. Und Alltag heißt: Jetzt wird es spannend, denn jetzt muss man seinen Glauben leben mit und unter dem, was man gehört, gebetet und gelobt hat.

Was wird kommen? Die Spannung ist eröffnet durch diese kurze Erzählung des Lukas und durch den Segen, den Jesus seinen Jüngern gibt.

 

Diese Spannung ist auch dadurch gekennzeichnet, dass die Jünger nun vor einer ganz neuen Situation stehen. Jesus ist ab sofort nicht mehr da. Er nimmt Abschied von ihnen. Mit seiner kurzen Erzählung deutet Lukas an, dass sich zwei Kreise damit schließen.

Der innere Kreis, der sich schließt, ist der Passions- und Osterkreis. Jesus führt seine Jünger aus Jerusalem hinaus bis in die Nähe von Bethanien. Sicher sind sie einen bekannten Weg dorthin gegangen, einen Weg, den sie nur wenige Wochen zuvor in umgekehrter Richtung gegangen waren und unter ganz anderen Vorzeichen. "Hosianna dem Sohn Davids, Hosianna dem König von Israel", hießen damals die Vorzeichen. Am Palmsonntag ist Jesus von Bethanien aus auf einem Esel über den Ölberg nach Jerusalem eingezogen. Jetzt zieht er denselben Weg aus Jerusalem hinaus. Keiner ruft Hosianna. Keiner wedelt mit Palmzweigen, keiner legt Kleirder auf die Straße. Jesus braucht keinen Esel mehr.

Seine Jünger wissen jetzt, wer er ist. Nur wenige Verse vorher heißt es: "Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage."

Jesus erinnert die Jünger also an alles das, was geschehen ist, seit dem Palmsonntag. Und sicher erinnern sie sich daran auf ihrem Weg raus aus Jerusalem nach Bethanien. Sie gehen am Garten Getsemane vorbei und erinenrn sich an Jesu Gebet und die Gefangennahme. Vom Weg aus und vom Berg aus sehen sie die Stadt Jerusalem, den Palast des Hohenpriesters, wo sie Jesus verurteilten. Den Palast des Pontius Pilatus, wo sie Jesu Kreuzigung beschlossen haben. Vielleicht sehen sie einen Teil des Weges, den Jesus mit dem Kreuzesbalken gehen musste, sicher aber sehen sie den kleinen Hügel vor der Stadt, der aussieht, wie ein kahler Schädel und dem sie deshalb den Namen Schädelstätte gegeben haben oder auf Hebräisch Golgatha. Vielleicht stehen da wieder Kreuze oder zumindest senkrechte Balken, an denen man die Todeskandidaten hochziehen konnte. Nicht weit von Golgatah weg war vielleicht auch die Grabanlage zu sehen, in der eines der überwältigendsten Wunder geschah: Jesus ist auferstanden von den Toten. Vielleicht haben sie das alles von ihrem Weg aus gesehen, sicher aber haben Jesu Worte in ihnen diese ganzen Geschichten Revue passieren lassen. Jetzt sind sie wieder in der Nähe von Bethanien, wo das alles begann, was Jesus zum Heiland der Welt werden ließ. Jetzt sind sie wieder hier und von hier aus soll jetzt die Botschaft von Jesus, dem Christus, in die ganze Welt ausgehen. Welch eine Spannung, wenn sich der Kreis dieser Geschichte hier schließt!!

 

Ein zweiter Kreis schließt sich, ein Kreis, der noch etwas weiter ist als der erste. Er geht zurück nach Bethlehem und zu den Hirtenfeldern dort. Dieser Kreis erinnert an ein kleines Baby in einem Stall dort irgendwo am Rande des Ortes. Ein junges Paar war zur Volkszählung dort gewesen. Die Frau, Maria, hatte einen Jungen geboren und der lag nun zwischen Heu und Stroh in einer Krippe in einem Stall. Draußen aber verkündete ein Engel: "Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr in der Stadt Davids.“

Was ist aus dieser großen Freude passiert? Zunächst war sie spürbar, bei den Hirten, bei den Weisen, bei Simeon und Hanna im Tempel, bei Maria und Josef. Aber dann ist sie klein geworden. Schon als Jesus mit 12 Jahren verloren ging, haben sich Maria und Josef nicht mehr gefreut, dass ihr Sohn der Sohn Gottes ist, der Hieland der Welt. Immer mal wieder ist Freude aufgeblitzt, wenn Menschen gesund geworden sind wie der blinde Bartimäus oder wenn jemand das Heil Gottes erfahren hat wie Zachäus. Aber endgültig verloren gegenagen scheint die große Freude bei Jesu Tod auf Golgatha und bei seiner Auferstehung. Die Frauen, die Jünger befiel Furcht und Zittern. Die Freude macht sich nur langsam Bahn. Jetzt aber ist sie wieder da. Die Jünger kehren am Himmelfahrtstag zurück nach Jerusalem mit großer Freude. Dabei haben sie sich gerade eben für vorerst lange Zeit von Jesus verabschiedet. Vom irdischen Jesus sogar für immer, denn selbst wenn er einmal wieder kommen wird, dann wird das anders sein als bis dahin. Doch die große Freude bleibt. Sie haben nach all den Geschichten, die sie erlebt haben, Jesus als den Heiland erkannt, wie ihn die Engel damals angekündigt hatten. "Euch ist der Heiland geboren, Christus der Herr." Ja, der, der da eben von ihren Augen weggenommen wurde, der ist dieser Christus, der Herr, der Retter und Erlöser. Und so sind sie erfüllt mit großer Freude, auch wenn sie Abschied nehmen müssen.

 

Welch eine Spannung, wenn sich der Kreis dieser Geschichte hier schließt. Welch eine Spannung, wenn sich auch der Passions- und Osterkreis schließt. Weil ihnen nun gleichzeitig auf einmal das Wort Gottes im Alten Testament und die Worte Jesu offen stehen. Sie verstehen das. Und damit öffnet sich diese Botschaft für sie in eine Zukunft, in der diese Botschaft Kreise zieht von Jerusalem und Judäa nach Samarien und bis an die Enden der Erde.

 

Es öffnet sich ein neuer Kreis, ein Kreis, der in die Zukunft weist und der sich erst schließt, wenn Jesus wieder kommt. Es öffnet sich der Kreis der Herrlichkeit Jesu, der zur Rechten Gottes sitzt, des himmlischen Vaters. Es öffnet sich der Kreis, in dem der Segen Jesu wirkt in einer Art und Weise, wie das die Jünger noch nicht erlebt haben. Es öffnet sich der Kreis, in dem sie Jesu Werk auf Erden weiterführen in der Kraft des Hieligen Geistes, der nur kurze Zeit später über sie kommt.

Und damit stehen aber auch wir in diesem geöffneten Kreis. Da gehören auch wir hin. Wir kommen mit unserem Glauben, mit unserer Kirche und mit unserer Gemeinde von der Geschichte her, die damals an der Himmelfahrt Jesu ihren Umbruch erfahren hat. Wir stehen mit unserer Geschichte in der Zukunft, die damals mit der Himmelfahrt Christi begonnen hat. Wir stehen da mitten drin und tragen unseren Teil dazu bei, dass diese Geschichte weitergeht.

Auch wir versuchen die Geschichten Jesu zu verstehen. Auch wir suchen in Jesus den Erlöser und Retter der Welt und unseres Lebens. Auch bei uns braucht es manchmal eine Weile bis sich diese große Freude breit macht. Auch wir vertrauen auf den Segen Jesu.

Noch mehr aber gehöären wir hinein in diese Geschichte, wenn wir es den Jüngern vom Himmelfahrtstag gleich tun. Von ihnen heißt es:

"Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott."

 

Auch das ist neu. Auch darin öffnet sich ein Tor in die Zukunft des Glaubens und des Lebens mit Jesus. Die Jünger beten Jesus an und preisen Gott. Jesus haben sie vorher noch nicht angebetet. Als er auf Erden war, gab es das nicht. Jetzt aber, als er in den Himmel zurückkehrt, jetzt wird er angebetet und gepriesen. Paulus schreibt das im Philipperbrief: "Im Namen Jesu sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen sollen bekennen, dass Christus der Herr ist zur Ehre Gottes des Vaters."

Das ist die Zukunft, das ist unsere Zukunft mit Jesus: Er segnet und wir beten ihn an und preisen ihn. Das gehört so eng zusammen, wie sonst nichts zwischen Himmel und Erde. Das gehört so eng zusammen, dass segnen und preisen im Griechischen wie im Hebräischen dasselbe Wort sind. Hier, wo es heißt „Jesus segnete sie“ und wo es heißt "sie priesen Gott“ da steht genau dasselbe Verb „eulogeo“. Das ist ein Kreis, der unseren Predigttext umfasst und unser ganzes Leben. Christi Himmelfahrt öffnet uns die Zukunft dieses Lebens.

Amen.