Karfreitag 2016

Liebe Gemeinde,

 

Briefeschreiben will gelernt sein. Das gilt für offizielle Briefe wie Bewerbungen oder Briefe an Behörden, Ämter, Versicherungen, Unfallanzeigen und so weiter.

Das gilt nicht für private Briefe, denn wer schreibt schon noch solche Briefe.

Briefe schreiben will gelernt sein, weil sie eine Form brauchen oder mein gegenüber eine Form erwartet. Ich kann bei einer Bewerbung nicht einfach schreiben. Guten Tag, ich bin der Martin, ich hätte gern den Ausbildungsplatz bei ihnen, meine Hobbies sind E-Gitarre spielen, Briefmarken sammeln und der VfB Stuttgart. Mein Zeugnis in der 4. Klasse war sehr gut.  Sowas geht nicht.

Auch damals zur Zeit der Bibel und in der Zeit von Jesus war das nicht anders. Ein Brief brauchte eine Form. Man schrieb den Absender, den Adressaten, man grüßte ihn und wünschte ihm irgendetwas Gutes. Dann folgte in der Regel eine Danksagung und dann der Hauptteil des Briefes. Dumm nur, wenn es nichts zu danken gibt. Paulus lässt z.B. im Galaterbrief die Danksagung weg, weil er mit den Leuten dort Stress hat.

Eine Danksagung sah etwa so aus, wie bei Paulus im 1. Korintherbrief.

Die Danksagung ist so ein Opener, also ein Gedanke, der den Brief öffnet und zu den Themen hinleitet, ohne die Themen schon zu direkt zu benennen. Dann erst geht es um das, was der Brief eigentlich will. Deshalb hört sich das für unsere Ohren manchmal komisch an, wenn wir den Anfang eines solchen Briefes hören, wie heute in unserem Predigttext. Es ist der Anfang des ersten Petrusbriefs, 1. Petrus 1,1-9. Und der Typ, der den Brief geschrieben hat, der konnte Briefe schreiben.

 

(Textlesung)

 

Briefe schreiben will gelernt sein – und der Petrus, der war doch Fischer, wo hat der das gelernt? Tatsächlich konnte der das nicht so gut, deshalb hat er seinen Freund Silvanus gebeten, ihm zu helfen und die beiden haben miteinander diesen Brief geschrieben, das erzählt der Petrus selbst in seinem Brief am Schluss: Durch Silvanus, den treuen Bruder, wie ich meine, habe ich euch wenige Worte geschrieben.

Was nun für uns interessant ist an diesem Briefanfang, das ist der Opener, die Einleitung zu dem Brief, also unser Text ab Vers 3.

Eigentlich hätten wir hier eine Danksagung erwartet. Doch was wir hören ist keine Danksagung sondern einen Lobpreis Gottes. Das ist noch eine Stufe stärker formuliert, als nur eine Danksagung. Das muss also dem Petrus besonders wichtig gewesen sein, dass er seinen Leserinnen und Lesern und damit auch uns den Blick gleich auf Gott lenkt und nicht zuerst auf uns selbst und den Dank für irgendwas, was bei uns gut laufen könnte.

Wir hören ja, dass die Leserinnen und Leser damals verstreut wohnen, also nicht so sehr in einer konkreten Gemeinde beieinander sind, sondern eher einzeln und allein sind. Sie sind Fremdlinge in ihrem Land. Aus dem späteren Briefteil wird deutlich wie Petrus das meint: Sie sind Fremdlinge, weil sie an Jesus Christus glauben. Sie sind Fremdlinge, weil sie anders sind. Sie sind Fremdlinge, weil die anderen sie nicht verstehen und sie ihnen deswegen fremd geworden sind. Sie sind Fremdlinge, weil sie unterdrückt und verfolgt werden, sie leiden um Jesu Christi willen. Wobei hier umstritten ist, ob es sich schon um eine erste staatliche Christenverfolgung handelte oder nur um einzelne Anfeindungen und lokale Unterdrückung, wie sie schon Paulus erleben musste 30 Jahre vorher.

Da ist es verständlich, dass Petrus den Blick auf Gott lenkt: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Wer in Not ist oder vor einer schwierigen Herausforderung steht, wer vor einer Aufgabe Respekt hat oder auch Bammel, dem oder der tut es gut, zuerst auf Gott zu sehen und dann auf die eigene Kraft oder die Umstände einer Situation. Wer zuerst auf Gott sieht, bekommt eine andere Sicht auf die eigene Situation. Wer Gott lobt, bekommt eine andere Einstellung ins Herz hinein gelobt. Wer auf Gott sieht, sieht die Welt mit anderen Augen. Wer auf Gott sieht, sieht sich selbst und seine Situation von Gottes Möglichkeiten her, von Gottes Barmherzigkeit her, von Gottes Kraft her. Und es ist eine Kraft, die so stark ist, dass sie Jesus von den Toten auferweckt hat.

Liebe Gemeinde, allein das, was uns hier an der Veränderung zu einem normalen Brief auffällt ist schon eine wichtige Botschaft unseres Predigttextes heute:

Wer Gott lobt und auf ihn sieht, bekommt einen anderen Blick auf die Welt.

Petrus spricht von der lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Und er sagt: Aus Gottes Macht werdet ihr durch den Glauben bewahrt zur Seligkeit. Das ist eine Botschaft an die verfolgten Christen seiner Zeit und aller Zeit. Er sagt nicht: Ihr werdet vor allen Schwierigkeiten bewahrt werden. Er sagt nicht: Euch wird nichts geschehen. Das kann er ihnen nicht versprechen, im Gegenteil. Dass wir nicht verfolgt werden oder dass uns niemand wegen unseres Glaubens angreift, das ist eher die Ausnahme für das neue Testament, nicht die Regel. Umso mehr können wir dankbar sein, dass wir unseren Glauben frei und offen leben können.

Auch wenn es in unserer Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich ist, Christ zu sein. Und es kommt auch vor, dass jemand verspottet wird, komisch angesehen wird, ja vielleicht sogar gemobbt wird, wenn er oder sie es ernst meint mit dem Glauben und sich in einer Gemeinde, an der Schule oder am Arbeitsplatz für christliche Werte engagiert. Wenn christliche Gruppen gegen die Abtreibung ungeborener Kinder demonstrieren, weil sie das für eine unerlaubte Tötung halten, dann werden sie in der Regel übelst beschimpft von linken Gruppen, bis dahin, dass sie sich wünschten, Maria hätte abgetrieben und Jesus nicht zur Welt gebracht. Auch das gibt es in unserem Land. Aber Gott sei Dank ist das noch die Ausnahme.

Ihr werdet durch Gottes Macht durch den Glauben bewahrt zur Seligkeit. Das ist der Trost für verfolgte und gemobbte Christen. Euer Leben hat ein Ziel, das liegt für euch bereit, ein unvergängliches und unverwelkliches Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch.

Jetzt könnte man natürlich sagen, die Leser des Petrusbriefes werden auf den Himmel vertröstet. Wenn es euch hier dreckig geht, dann habt ihr wenigstens im Himmel euren Frieden und euren Segen. Aber wer das behaupten wollte, hätte überhaupt nichts von dem verstanden, was ich zur Einleitung über Briefe gesagt habe. Das hier, unser Predigttext ist noch keine Abhandlung über die Probleme und Fragen der Leser dieses Briefes, sondern ein Gotteslob, das die Tür für die tatsächlichen Themen öffnen soll. Erst nach unserem Text, dann aber richtig beginnen die ganz praktischen Ratschläge für die Christinnen und Christen damals. Eine Mahnrede ist dieser Brief dann bis zum Schluss. Gegründet auf dem, was Jesus Christus für uns tat, ruft Petrus seine Leser zur Bereitschaft auf, Leiden in Kauf zu nehmen, spricht ihnen aber gleichzeitig als Trost die Hilfe Gottes zu.

In seinem Lobpreis zu Beginn klingen also alle Themen schon ein wenig an, die Petrus im Lauf des Briefs abhandelt.

Das erste habe ich ja schon genannt: Wer auf Gott sieht, bekommt einen anderen Blick auf die Welt. Und die Seligkeit, die im Himmel auf uns wartet, die gibt uns die Kraft für ein Leben in dieser Welt, in allen Herausforderungen und in allen Schwierigkeiten des Glaubens.

Das zweite, was hier schon anklingt: der Glaube bewährt sich im Leiden oder sagen wir es allgemein: In den Herausforderungen des Lebens. Ihr werdet euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit traurig seid, wenn es sein soll. Ihr erleidet Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold.

Der Glaube bewährt sich in den Herausforderungen des Lebens.

Für die Leserinnen und Leser des Petrus waren es die Verfolgungen, die ihnen das Leben und den Glauben schwer gemacht haben. Für andere sind es andere Anfechtungen. Über die Osterfeiertage kamen viele Bibelfilme, unter anderem auch der Film, die 10 Gebote. Mose musste auf seinem Weg mit dem Volk Israel viele solcher Anfechtungen bestehen. Jedes Mal, wenn sein Volk murrte und schimpfte, weil sie nicht genug zu essen hatten, weil die Ägypter hinter ihnen her waren, weil Mose auf dem Berg war und sie sich ein goldenes Kalb gemacht haben, da war der Glaube und das Vertrauen des Mose gefragt. Und da rang er mit sich und seinem Volk, dran zu bleiben an seinem Gott, der sie aus Ägypten befreit hat.

Sein Glaube hat sich bewährt, auch in aller Schuld und allem Versagen, keine Frage. Aber eben auch in einer anderen Situation als der der Verfolgung.

Wie bewährt sich unser Glaube in unserer Zeit?

Eine unserer Herausforderung ist unser Wohlstand. Uns geht es doch gut, wer braucht schon Gott? Der ist doch was für Notfälle. So sagen es immer wieder Menschen in Gesprächen.

Die nächste Herausforderung sind tatsächlich auch Notsituationen. Wer davon ausgeht, dass Gott immer alles gut für uns macht, kommt ins Zweifeln, wenn sie in Notsituationen kommen. Dann fragen sie, warum Gott das nicht verhindert habe.

Eine dritte Herausforderung unter vielen anderen, das ist unsere Gesellschaft, in der es keine klaren Werte mehr gibt, sondern sich jeder seine Werte selbst macht. Was zählt denn noch?  Jeder guckt, dass er sein Schäfchen ins trockene bringt. Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer.

Wie bewährt sich unser Glauben in dieser Zeit? Indem er auf Gott sieht und seine Macht und seine Kraft. Und indem er als Drittes sein Fundament hat in der Wiedergeburt nach der großen Barmherzigkeit zu einer lebendigen Hoffnung.

Das ist das Thema des heutigen Sonntags. Deshalb ist dieser Vers aus dem Predigttext auch Wochenspruch und deshalb passt auch eine Taufe zu diesem Tage besonders gut.

Damals hieß es: Wer zum Glauben kam, ist wiedergeboren. Als Zeichen dafür ließ er oder sie sich taufen. Weil der Petrusbrief immer wieder von dieser Wiedergeburt spricht, denken manche Theologen, dieser Brief sei tatsächlich eine Taufermahnung, also eine Predigt an Menschen, die sich frisch Taufen ließen oder deren Taufe kurz bevor stand.

Auch die Taufe kleiner Kinder ist ein festes Fundament, auf das wir uns verlassen können. In der Taufe sehen wir Gott wirken. Wir sehen auf Gott und bekommen einen anderen Blick für die Welt. Das Leben steht nicht unter der Frage: Wie wird wohl alles werden. Sondern unter der Zusage: Gott geht mit dir mit. Ich weiß nicht, welche Herausforderungen auf Lillian warten. Aber sie hat einen Taufspruch, der ihr zusagt: Siehe ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hinziehst. Die Taufe garantiert uns nicht, dass das Leben einfach wird, sie will uns aber helfen, dass sich unser Glaube bewährt.

Und wer zum Glauben kommt und sich an seiner Taufe freut, der darf wissen: Im Himmel ist eine unvergängliches Erbe für uns aufbewahrt.

So schließe ich mit der Erklärung zur Taufe aus dem Katechismus unserer Kirche, weil der unseren Predigttext wunderbar zu uns in Beziehung setzt.

Was ist die Taufe?

Die Taufe ist ein Sakrament und göttlich Wortzeichen, womit Gott, der Vater, durch Jesus Christus, seinen Sohn, samt dem Heiligen Geist bezeugt, dass er dem Getauften ein gnädiger Gott wolle sein und verzeihe ihm alle Sünden aus lauter Gnade um Jesu Christi willen und nehme ihn auf an Kindes Statt und zum Erben aller himmlischen Güter.

Martin Bulmann, Stetten am Heuchelberg