Braucht Man(n) Gott?

Predigt mit Lukas 12,16-21

Stetten a.H. am Männersonntag, 20.10.2013

 

Liebe Männer, liebe Gemeinde,

 

„braucht Mann Gott?“. Ja oder nein?

„Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden“, haben wir eben gesungen. Mit dem Liedtext wäre die Antwort klar. „Ja, logisch, wir brauchen Gott“.

I need you more, more than everything – Ich brauche dich mehr, mehr als alles andere, hat die Band eben gesungen. Mit dem Liedtext wäre die Antwort klar. „Ja, logisch.“

Aber so einfach ist es nicht.

Im Anspiel haben wir Männerprobleme vor Augen geführt bekommen. Männer sorgen sich um den Aufbau einer Familie. Männer sind hin und hergerissen zwischen Beruf und Familie, manche haben vielleicht ein Hobby. Die alten Eltern müssen gepflegt werden. Die Beziehungen kriseln. Therapeuten sind die Rettung – oder auch nicht. Doch gelten Männer als das starke Geschlecht und sollten keine Weicheier sein und alles allein hinkriegen.

Wie soll das gehen? Geht es oder geht es nicht? Braucht „Mann“ Gott?

 

Was für eine Frage? Eigentlich brauchen wir ihn nicht. Nach der Bibel brauchen wir Gott nicht, wenn wir gesund und erfolgreich sein wollen, gut leben und das Leben genießen wollen. Das geht auch ohne Gott. Gerade das ja das Problem des Beters von Psalm 73:

Ich sah, dass es den Gottlosen so gut ging.

4 Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib.

5 Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt. Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, sie tun, was ihnen einfällt. Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich.

 

Nicht nur hier bezeugt uns die Bibel: Es gibt ein schönes und erfolgreiches Leben auch ohne Gott. Dazu braucht man Gott nicht.

 

Dann könnte man sagen: Na ja, wenn es mir schlecht geht, dann brauche ich ihn, dass ich wieder raus komme. Nun, im Anspiel half der Therapeut mit seinen Pillen. Es gibt also auch andere Hilfe.

Und wieder zurück zu Psalm 73: Auch ein Leben im Glauben an Gott muss nicht gleich problemlos sein. Der Beter, ein gläubiger Mensch, sagt: Ich bin täglich geplagt. Und er fragt sich: Soll es denn umsonst sein, dass ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche?

 

Braucht man Gott? Mit diesen ersten Überlegungen will ich mit zwei Vorurteilen aufräumen. Wenn ich an Gott glaube, dann wird mein Leben gelingen, dann werde ich reich und glücklich. Es stimmt, Gott will unser Leben glücklich machen, aber mit einem Glück, das mehr ist als Karriere, Geld, Besitz und Ansehen.

Und viele denken auch: Wenn ich an Gott glaube, dann werden alle meine Probleme gelöst. Ich brauch nur zu beten und dann wird alles gut. Gott will sich aber auch nicht missbrauchen lassen als Notnagel, als Feuerwehr, wenn es uns schlecht geht. Dass er uns hilft, dass er uns führt und unserem Leben Erfüllung schenkt, das liegt an seiner Gnade, nicht daran, dass wir ihn vielleicht brauchen.

 

Braucht „Mann“ Gott? Ja klar, „Mann“ braucht Gott. Und das sehen wir an einem erfolgreichen Geschäftsmann in der Bibel. Er ist reich, er hat alles, was er braucht – ohne Gott. Man nennt ihn den reichen Kornbauer. Jesus erzählt seine Geschichte als ein Gleichnis. Das heißt: Diese Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig.

Aber wir wissen von Jesu Gleichnissen, dass das keine Phantasiegeschichten sind, sondern aus dem Leben gegriffen sind und den Alltag der Menschen damals treffen.

 

Ich lese Lukas 12,16-21.

 

Der reiche Kornbauer macht Karriere. Er hat Erfolg. Er baut immer größere Scheunen. Das ist Wachstum, ungebremst. Mit jedem Jahr steigen die Gewinnprognosen.

Irgendwann will er zufrieden sein. So plant er das für sich. Nur noch die nächste Wachstumsstufe abwarten, dann sich zur Ruhe setzen.

Super, wenigstens mal einer der nicht wie die anderen den Hals nicht voll genug bekommen kann. Das ist ja eine Gefahr, in der wir stehen, wenn wir Erfolg haben: Immer mehr, immer mehr, immer mehr. Wann ist genug? Wer definiert das? Wer sagt es uns? Unser Körper? Die Ehefrau? Die Kinder?

Der reiche Kornbauer setzt sich seine eigene Grenze. Aber wie setzt er sie sich?

Ich will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!

Liebe Männer, liebe Gemeinde, genau hier erkennen wir einen ersten Grund, weshalb wir wirklich Gott brauchen. Der Mensch fragt nach seiner Seele. Er sucht nach dem, was sein Inneres erfüllt.

Ich gebe zu, bei manchen Menschen fragt man sich, ob sie wirklich eine Seele haben. Aber letztlich ist es das immer und überall. Wenn es um Erfolg geht, um Bestätigung, um Anerkennung, dann geht es um unsere Seele. Und ich denke, dass hier wir Männer auch besonders gefragt sind, uns das bewusst zu machen. Egal, was es ist, ob Beruf, Hobby, Familie, das eigene Haus, das Auto, egal. Wir suchen nach Erfüllung, nach dem, was unserer Seele nicht nur gut tut, sondern was ihr Ruhe gibt. Und daran hängen wir uns, egal was das ist.

 

Martin Luther sagt nun dazu: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott. Unser reicher Mann in dem Gleichnis von Jesus hatte an seinem Besitz und seinem Wohlstand seinen Gott, an den er sein Herz hängte. Dann sollte die liebe Seele ihre Ruhe finden.

Und ganz schnell bekommt dann der Besitz, die Familie, die Partnerin oder das Hobby eine religiöse Dimension. „MUFC is Religion“ hab ich mal gelesen. Das war im Old Trafford in Manchester. Ein Fußballstadion. Und da prangte dieser Satz in großen Buchstaben an einer Wand. MUFC – Manchester United Football Club – das ist meine Religion, bekannte der Maler dieses Banners. So weit kommt es dann.

Woran hängen wir unser Herz? Klar, kann jemand sagen: Mein Herz hängt an vielem. Mein Herz hängt an meiner Familie, an meinem Beruf, an der Musik, an meinem Lieblingsverein, an diesem und jenem. Aber wir suchen doch immer wieder und immer wieder neu nach dem, was unserer Seele Ruhe bringt.

Ja, wir brauchen Gott. Weil nur er uns das geben kann. Nur er. Ich bin das Leben, sagt Jesus, ich bin gekommen, dass sie das Leben und alles in Fülle haben sollen, sagt er auch. Und nur wo er die Mitte ist, hat alles andere seinen guten und richtigen Platz, der Beruf, die Familie, die Hobbies und, und, und. Weil nichts mehr von allem überfordert wäre, für das Lebensglück und den Sinn des Lebens herzuhalten. Weil wir dann nicht mehr die Familie, den Beruf, das Hobby, das Haus oder den Fußballverein vergöttern.

Der reiche Kornbauer erkennt das zu spät. Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?

Du Narr. Deshalb brauchen wir Gott. Wir sind ohne ihn Narren, weil wir meinen, wir hätten unser Leben in der Hand, dabei stimmt das gar nicht. Er plant alles wunderbar, setzt sich Ziele, geht die Schritte darauf hin, top. Aber er hat es nicht in der Hand das auszuführen. Weil er sein Leben nicht in der Hand hat.

Und deshalb braucht Mann Gott: Wir haben unser Leben nicht selbst in der Hand. Also leben wir mit dem, der es in der Hand hat.

Und dazu gehört noch ein weiterer Aspekt. Gott ist das Leben. Er hat uns das Leben gegeben und hat unser Leben in der Hand. Wer sich von Gott entfernt, entfernt sich von der Quelle des Lebens und von der Kraft des Lebens. Jesus gibt uns das Beispiel vom Weinstock und den Reben. Die Reben, die nicht am Weinstock bleiben, verdorren. Warum? Weil der Weingärtner sauer auf sie ist? Oder weil der Weinstock sie nicht mehr leiden mag? Oder weil sie irgendjemand verurteilt? Nein. Sie sind einfach abgeschnitten von der Lebenskraft, die durch den Weinstock strömt und ihnen Kraft geben will, Frucht zu bringen. Wer sich vom Weinstock trennt, trennt sich von der Lebenskraft und verdorrt.

Deshalb brauchen wir Gott. Weil wir in ihm das Leben haben. Und weil wir nur in ihm die Lebenskraft finden, mit der wir durch das Leben gehen können, in den schönen Zeiten und den schweren. Klar, es gibt Menschen, die mit einer immensen Lebenskraft ausgestattet sind und scheinbar ohne Gott leben. Oder sie holen sich ihre Kraft woanders. Ich vergleiche das mit meinem Laptop. Ein gutes Gerät mit einem Akku, der wirklich lang hält. Nur geht der auch irgendwann mal in die Knie. Klar, so ein Gottesdienst ist kein Problem. Wenn ich ihn aber nicht an ein Kabel hänge, wird er irgendwann leer. Klar, ich kann auch einen Ersatzakku nehmen, aber auch der ist irgendwann mal leer. Besser doch ich stecke ein Kabel ein und dann lädt sich der Akku auf und mein Laptop lebt aus der Kraft, die nicht aufhört. In Gott haben wir das Leben. Deshalb brauchen wir ihn.

Ich habe die Rezension eines Buches gelesen, es heißt auf Deutsch: Religion für Atheisten. Das hat ein Atheist geschrieben, Alain de Botton heißt er. Aus seiner Atheistischen Sicht kommt er bei der Betrachtung des Glaubens zu dem Ergebnis, dass ohne Religion das Leben verarmt und steril wird. Der Glaube inspiriert, gibt Hoffnung und zeigt, wie gutes und friedliches Leben gelingen kann. Faszinierend, wie ein Außenstehender Nicht-Glaubender zu so einem Ergebnis kommt: Wir brauchen Gott für unser Leben.

 

Noch einmal zurück zu unserem Kornbauer.

Die Seele soll ihre Ruhe haben, so plant er es, doch dann wird die Seele gefordert. Nichts bleibt. Und nichts nimmt er mit. All das, woran er sein Leben ausgerichtet hat und womit er sein Leben gefüllt hat, das geht verloren, das zerrinnt. Nichts bleibt davon im Tod.

Gut, wer sich damit zufrieden gibt, soll glücklich werden. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen dem, dass im Tod alles vergeht oder dem, dass ich durch den Tod hindurch ewiges Leben bekomme, dann würde ich das ewige Leben wählen. Wir brauchen Gott, weil nur er uns den Weg in diese Ewigkeit führen kann.

 

Braucht Mann Gott? Ja. Und ich bin mir sicher, wer sich auf den Weg macht und diese vier Antworten auf die Frage nach Gott beantwortet, der wird sich selbst wieder neu als Mann erkennen und seinen Platz finden. Und für die Frauen gilt dasselbe. Im Glauben an Gott finden wir zu uns selbst als Männer und als Frauen.

Mark Hall von der Band Casting Crowns hat ein Lied geschrieben, in dem er genau da anpackt und sagt: Wir sind als Männer von Gott geschaffen, beherzt, mutig und couragiert zu sein. Courageous heißt das auf Englisch. Er sagt, eigentlich sollten wir voran gehen, das Leben zu gestalten und für das Leben zu kämpfen, aber wir stehen oft an der Seitenlinie und schauen nur zu.

“We were made to be courageous and we’re taking back the fight.”

Wir wurden mutig geschaffen, jetzt nehmen wir den Kampf wieder auf.
“We were made to be courageous and it starts with us tonight”

Wir wurden geschaffen, beherzt zu sein, und es fängt heute mit uns an.
“The only way we’ll ever stand is on our knees with lifted hands.”

Der einzige Weg, auf dem wir nun stehen bleiben, ist auf den Knien mit erhobenen Händen.

„Make us courageous, Lord, make us courageous”

So bittet er Gott: Mach uns wieder mutig und beherzt, gib uns das wieder zurück, damit wir als Männer unser Leben wieder finden.

Dieses Lied ist so etwas wie die Hymne unseres Männertreffs und wir wollen das jetzt als Musikstück spielen. Der englische Text ist auf der Leinwand zu lesen.

Amen.

 

Pfarrer Martin Bulmann, Stetten am Heuchelberg